KOLLEKTIV - KORRUPTION TÖTET

KOLLEKTIV - KORRUPTION TÖTET
Handlung:

Im Jahr 2015 bricht ein Feuer im Bukarester Club „Colectiv“ aus. 27 Menschen kommen ums Leben, 180 werden verletzt. Schon bald darauf sterben weitere Brandopfer in Krankenhäusern an Wunden, die nicht lebensbedrohlich waren. Schließlich berichtet eine Ärztin einem Team investigativer Journalisten von großen Missständen. Eine Enthüllung folgt auf die nächste: Die Journalisten decken massiven Betrug im Gesundheitswesen auf. Als ein neuer Gesundheitsminister ernannt wird, gewährt er beispiellose Einblicke in seine Bemühungen, das korrupte System zu reformieren, aber auch in die Hindernisse, auf die er stößt. KOLLEKTIV – KORRUPTION TÖTET begleitet Journalisten, Informanten, Brandopfer und Regierungsbeamte und wirft einen kompromisslosen Blick darauf, was Enthüllungsjournalismus vom Feinsten leisten kann.

Film im Fokus:

„Wir sind keine Menschen mehr. Es geht uns nur ums Geld.“ Bei diesem vernichtenden Urteil, das in Alexander Nanaus Dokumentarfilm KOLLEKTIV - KORRUPTION TÖTET geäußert wird, handelt es sich nicht einfach um leere Worte oder um den Ausdruck irgendeiner Form von Idealismus. Vielmehr enthüllen die angestellten Nachforschungen, die in dem Film Schritt für Schritt begleitet werden, wie durch und durch verkommen das rumänische Gesundheitssystem ist. Der Film feierte in Venedig Premiere (lief allerdings nicht im Wettbewerb), wurde in Toronto gezeigt und vergangenes Jahr in Zürich ausgezeichnet. Seitdem wurde er bei zahlreichen Filmfestspielen aufgeführt, von der European Film Academy nominiert und als Vorschlag Rumäniens für die Oscars in der Kategorie „Bester internationaler Film“ ausgewählt. Der Film offenbart, wie Korruption auf allen Ebenen dazu führt, dass Menschen, die naiverweise glauben, sie würden in den Krankenhäusern ordentlich behandelt, unter absurden Umständen sterben – und die Regierungsbehörden sind darüber bestens im Bilde.

Es ist ein wenig erbauliches Bild, das uns der deutsche Regisseur (der in Rumänien geboren wurde und bereits für seinen vorherigen Film Toto und seine Schwestern weithin gelobt wurde) da vor Augen führt. Er tut dies mit außergewöhnlichem Talent und filmisch auf eine Art, die wenig mit den üblichen investigativen Fernsehdokus zu tun hat. Gekonnt kombiniert Nanau die thrillergleiche Spannung der immer neuen Enthüllungen der Journalisten und der Versuche eines neuen Ministers, das System wieder in Ordnung zu bringen, mit Sequenzen, die – ohne jedes Pathos, dafür aber voller Respekt – den Opfern und Hinterbliebenen gewidmet sind.

Alles beginnt mit einem dramatischen Ereignis, das durch die Medien geht. Am 30. Oktober 2015 bricht im Bukarester Nachtclub „Colectiv“ ein Feuer aus. Es gibt keine Notausgänge. 27 junge Menschen sterben, 180 weitere werden verletzt, davon 90 schwer. Die rumänische Regierung verspricht, dass für die Verletzten alles getan wird, „was auch in Deutschland getan werden könnte“. Allerdings sterben in den darauffolgenden Wochen 37 der mit schweren Brandverletzungen eingelieferten Patienten, weil sie – wie eine Informantin den Journalisten Catalin Tolontan, Mirela Neag und Răzvan Lutac, die der Geschichte auf den Grund gehen wollen, berichtet – „einem mit Keimen verseuchten Umfeld und einigen der gefährlichsten resistenten Bakterien Europas (Pseudomonas aeruginosa) ausgesetzt waren“. Nachdem das Trio der Sports Gazette diesen Hinweis erhalten hat, findet es heraus, dass die Desinfektionsmittel, die von dem Unternehmen Hexi Pharma an 350 Krankenhäuser (mit 2000 Operationssälen) geliefert werden, im Vergleich zur üblichen Dosierung bis zu zehnfach verdünnt sind. Eine Praxis, hinter der sich Korruption auf verschiedenen Ebenen, systematische Steuervermeidung und der heimliche Schutz durch den Staat verbergen, der bereits seit langer Zeit von den Machenschaften wusste. Trotz Propaganda kostet der Skandal den Gesundheitsminister sein Amt. Sein Nachfolger ist Vlad Voiculescu, ein früherer Aktivist für Patientenrechte, der sich vorgenommen hat, das Einstellungsverfahren für Krankenhausmanager zu reformieren, bei diesem Vorhaben jedoch auf etliche Hindernisse stößt. Unterdessen kommen dank einiger mutiger Zeugenaussagen, die vom Team der Sports Gazette veröffentlicht werden, weitere Details ans Tageslicht. Wachsam verfolgt werden all diese Enthüllungen von Schwerbrandverletzten wie Tedy Ursuleanu, die versuchen, wieder gesund zu werden und im Leben zurechtzukommen.

Geheimdienste, mysteriöse Autounfälle, Verhaftungen, Proteste, Strategiebesprechungen des Redaktionsteams und im Ministerbüro, versteckte Kameraaufnahmen von Verdächtigen, Verhandlungen mit potentiellen Informanten, brisante Fernsehdebatten, Gegenangriffe der Machthaber: KOLLEKTIV - KORRUPTION TÖTET ist ein ebenso ergreifender wie erschreckender Dokumentarfilm, der mit großem Können gedreht und geschnitten wurde und mit schonungsloser Offenheit zeigt, dass die Beendigung von Vetternwirtschaft, Politisierung und Interessenkonflikten ein schwieriger und langwieriger Prozess ist, der einen zur Verzweiflung treiben kann und auf den Schultern einiger weniger kämpferischer und klar denkender Menschen lastet, die sich für das Gemeinwohl einsetzen.

Der von der Firma Alexander Nanau Production gemeinsam mit der luxemburgischen Firma Samsa Film und HBO Europe produzierte Film KOLLEKTIV - KORRUPTION TÖTET wird weltweit von der israelischen Cinephil vertrieben.

Fabien Lemercier